Sonntag, 20. Oktober 2013

Am Ende des Regenbogens


Es gab einmal eine Zeit, da hätte ich alles für dich getan. Ich habe alles für dich getan. Als du am Abgrund standest, habe ich dich gehalten. Du bist über die Kante gerutscht, doch ich ich habe mich an dich geklammert und habe die Füße in den Boden gestemmt. Meine Schultern haben geschmerzt, denn auch meine Kräfte sind endlich. Aber ich habe nicht aufgegeben.
Ich habe so lange durchgehalten, bis du mir wieder helfen und zurück auf sicheren Boden klettern konntest. Nur für dich bin ich los gelaufen, um das Ende des Regenbogens zu finden. Ich bin gerannt, weiter und weiter. Immer wenn ich dachte, ich hätte es gefunden, war es doch wieder ein Stück entfernt. Also bin ich weiter gerannt. Wenn meine Knie aufzugeben drohten, habe ich mich mit schmerzender Lunge angefeuert weiterzumachen und nicht aufzugeben. Aber am Ende des Regenbogens wartet kein Topf voll Gold. Alles, was mich dort empfing, war völlige Dunkelheit. Meine Atem rasselte, meine Füße schmerzten und ich wollte mich ausruhen. Nur einen kurzen Moment, um ein kleines bisschen Kraft zu schöpfen. Ich habe es nicht getan. Müde und mit hängenden Schultern habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Habe einen Fuß vor den anderen gesetzt. Immer und immer wieder. Bis ich wieder da war. Ich war da. Aber du nicht. Du bist einfach fortgegangen, hast mich alleine gelassen. Jetzt stehe ich hier, kaputt und kraftlos, und weiß nicht, was ich tun soll. Wie füllt man das Loch, das entsteht, wenn der Mensch, den man am meisten liebt, einfach verschwindet?

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